Face à Face
Face à face - André Mehlen & Guy Krier
Beim Thema Medaillen gehen die Meinungen an der Mosel oftmals weit auseinander. Doch was bringen sie – und was nicht?
Die Fragen
1. Was bedeuten Medaillen für Sie – Qualitätssiegel oder Marketing?
2. Können Kunden einer solchen Auszeichnung wirklich trauen?
3. Lohnt sich die Teilnahme an Wettbewerben für Sie?
4. Welchen Einfluss haben Auszeichnungen auf Ihre Kundschaft
André Mehlen
Domaines Vinsmoselle
1. Medaillen sind für uns Marketinginstrument und Qualitätssiegel zugleich, da sie uns helfen können, aus der Masse herauszustechen. Sie liefern vor allem in Supermärkten ein wichtiges, zusätzliches Verkaufsargument. Dort hilft eine Auszeichnung dabei aufzufallen, denn sie signalisiert dem Kunden Qualität und schafft Vertrauen, gerade wenn keine persönliche Beratung möglich ist.
2. Sie ist aber alles andere als ein leeres Versprechen. Gerade in Blindverkostungen kommen meist nur Weine durch, die geschmacklich überzeugen. Ich habe oft bei Wettbewerben mit verkostet und kann sagen: Eine Auszeichnung bekommt auch nur, was Qualität hat.
3. Die Teilnahme kostet je nach Wettbewerb etwas, doch bei größeren Chargen an Flaschen, die man produziert, rechnet sich das recht schnell wieder. Man erreicht Kunden, die gezielt nach prämierten Produkten suchen.
4. Wir bekommen durchaus Rückmeldungen von Kunden – teils Glückwünsche, teils auch gezielte Nachfragen im Handel. Besonders Großkunden legen Wert auf Medaillen. Sie sind keine Pflicht, aber können als Türöffner dienen, wenn man nicht überall selbst vertreten sein kann.
Guy Krier
Domaine Krier-Welbes
1. Für mich persönlich sind sie meist ein reines Marketingtool. So sehe ich Medaillen kritisch, da sie oftmals wenig über die tatsächliche Qualität aussagen, sondern die Meinung einer randomisierten Jury in einem bestimmten Moment widerspiegeln. Unserer Erfahrung nach zu urteilen, entscheiden sich Kunden meist nach persönlicher Erfahrung – und die biete ich ihnen direkt. Durch ein direkteres „Marketing“.
2. Hinter vielen Wettbewerben steckt ein lukratives Geschäftsmodell. Man zahlt für die Einreichung, für die Medaillen, für die spezialisierten Etiketten – und es kommt auch vor, dass ein Drittel der Teilnehmenden gewinnt. Das wirkt beliebig und schwächt eher das Vertrauen in das Produkt, als es zu stärken.
3. Für kleine Betriebe lohnt sich der Aufwand selten. Zwischen Gebühren und Zeit bleibt der Ertrag oftmals auf der Strecke – vor allem, wenn der Wein mit Medaille später zum gleichen Preis im Regal steht. Ich kann zwar nachvollziehen, dass sich dies für große Betriebe lohnen kann, doch ich investiere lieber Zeit und Geld in Qualität und direkte Beratung.
4. Früher war eine Medaille ein Verkaufsargument, heute wirkt sie inflationär. Es gibt zu viele Wettbewerbe, zu viele Auszeichnungen. Gute Weine brauchen keine Aufkleber. So denke ich, dass Vertrauen im Glas entsteht und nicht auf dem Etikett.